Andermatt hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert: vom sterbenden Bergdorf zu einer internationalen Destination – mit neuen Hotels, aber auch mit neuen Chancen für die Bevölkerung.
Nach dem Abzug des Militärs gingen in Andermatt viele Arbeitsplätze verloren. Zahlreiche junge Andermatterinnen und Andermatter verliessen das Tal. Erst mit der Entwicklung der Destination sowie dem Bau von Apartmenthäusern und Hotels kam wieder neues Leben nach Andermatt. Die Bevölkerungszahlen stiegen erstmals seit dem Abbau der Armee wieder an und damit auch der Bedarf an Handwerk und Dienstleistungen.
Max Simmen gründete 1998 die Dorfschreinerei. Aus einem anfänglichen Zwei-Mann-Betrieb entwickelte sich die Schreinerei zu einem Unternehmen mit bis zu 17 Mitarbeitenden in der Hochsaison. Heute bildet der Betrieb auch Lernende aus.
«Wir waren immer ein Ausbildungsbetrieb. Wir hatten meistens zwei bis drei Lernende. Dass ich so viele Lernende ausbilden konnte, macht mich stolz. Viele arbeiten heute noch im Betrieb und sind nach einer Zeit in einem anderen Unternehmen wieder zurückgekommen.»
Nach 26 Jahren hat Max Simmen die Dorfschreinerei an seinen Nachfolger übergeben und sich zur Ruhe gesetzt.
«Der heutige Besitzer der Schreinerei, Riccardo Russi, hat seine Lehre ebenfalls bei mir gemacht. Nachdem er das Holztechnikum abgeschlossen hatte, habe ich ihn gebeten, nach Andermatt zurückzukommen. Ich denke, das ist sehr viel wert. Riccardo hat hier seine Familie und sein Leben. Solche Entwicklungen bringen wieder Leben ins Tal.»
Mit der zunehmenden Attraktivität von Andermatt als Tourismusdestination braucht es auch entsprechende Angebote. Gäste, die hier sind, möchten etwas erleben.
Raphael Arnold ist zwar kein Andermatter, doch als Flüehler hat er einen grossen Teil seiner Jugend hier in den Bergen verbracht. Nach seiner Ausbildung als Koch zog es ihn hinaus in die Welt, wo er verschiedene Regionen erkundete und wertvolle Erfahrungen sammelte. So führte er beispielsweise während sieben Jahren eine Werft in Mosambik und ermöglichte als Touroperator Touristinnen und Touristen besondere Erlebnisse.
2023 kehrte er mit seiner Frau und seinen Kindern in die Schweiz zurück, um hier seiner Leidenschaft für Natur, Kultur und Events nachzugehen. Mit seiner Firma Peak Experience bietet er Gästen massgeschneiderte Erlebnisse für Gruppen und Individualtouristen sowie Events und Teambuilding-Aktivitäten für Unternehmen an.
«Mein Geschäft in diesem Umfang aufzubauen, wäre ohne die Destinationsentwicklung von Andermatt Swiss Alps vermutlich schwierig gewesen. Potenzial war zwar schon vorher vorhanden, aber wahrscheinlich hätte ich vor allem Individualtouristen erreicht und kaum Gruppen.
Mit der Entwicklung von Andermatt verfügen wir heute über die nötige Infrastruktur, um auch grössere Gruppen zu beherbergen. Zudem gibt es Eventlocations wie die Konzerthalle in Andermatt Reuss, wo wir mit Gruppen von 100 bis 300 Personen Veranstaltungen organisieren können.»
Die positive Entwicklung zeigt sich aber nicht nur bei den Gästezahlen und Arbeitsplätze, sondern auch die Gemeinde spürt den Aufschwung.
Peter Baumann, Gemeindepräsident von Andermatt, erklärt, warum die Entwicklung in Andermatt nicht nur für das Dorf, sondern für die ganze Region und den Kanton von Bedeutung ist: „Früher waren wir eine Nehmergemeinde und erhielten einen Steuerausgleich aus dem Unterland. Heute sind wir die grösste Gebergemeinde. Dieses Jahr leisten wir rund 1,5 Millionen Franken in den kantonalen Finanzausgleich. Ich glaube, das zeigt auch die Wertschöpfung für den ganzen Kanton Uri und ich finde es richtig, dass wir so die kleineren Gemeinden unterstützen können.“
Weitere Informationen zur hören Sie im Podcast Alpenleben Wertschöpfung in der Region.